Landkreis

Strategisches Regionales Entwicklungskonzept (SREK): „Landkreis Börde 2040“

Der Landkreis Börde hat einen bedeutenden Meilenstein für seine zukünftige Entwicklung gesetzt: Als einer von 12 ausgewählten Regionen profitiert der Landkreis vom Bundesprojekt RegioStrat. Dieses Programm unterstützt Regionen dabei, innovative, strategische Konzepte zu entwickeln, um den strukturellen Wandel aktiv zu gestalten und die interkommunale Zusammenarbeit auf ein neues Niveau zu heben.

Für den Zeitraum von März 2026 bis Oktober 2028 stehen dem Landkreis Börde Fördermittel in Höhe von 450.000 Euro zur Verfügung. Diese Mittel des Bundes sind zweckgebunden für die Erarbeitung des Strategischen Regionalen Entwicklungskonzeptes (SREK). Das SREK ist kein starres Dokument, sondern ein lebendiger Fahrplan, der die Leitplanken für die kommenden zwei Jahrzehnte definiert. Die Fördermittel dienen maßgeblich dazu Personalstellen auskömmlich zu finanzieren. Mit dem REGIOSTRAT-Projekt soll das Fundament für eine proaktive Entwicklung gelegt werden. 

Die Bundesförderung ermöglicht es, tiefgreifende Analysen und weitreichende Netzwerke aufzubauen, die weit über das Jahr 2028 hinaus Bestand haben werden. Das Endergebnis wird ein durch den Kreistag politisch legitimiertes Dokument sein, das als „Türöffner“ für alle zukünftigen Förderanträge dient. Final sollen Maßnahmen eruiert werden, die über einen Zeitkontext bis 2040-2045 umgesetzt werden können.

Die Vision der Modellregion

Die moderne Regionalentwicklung steht vor Herausforderungen, die in ihrer Vernetzung die Kapazitäten einzelner Kommunen bei weitem übersteigen. Der Erfolg des SREK 2040 ist untrennbar mit der Überwindung des „Kirchturmdenkens“ verbunden. Strategische Zukunftsplanung bedeutet heute, interkommunale Synergien nicht nur zu beschwören, sondern institutionell zu verankern. Die 13 kreisangehörigen Kommunen bilden das Rückgrat des Prozesses. 

Jede Kommune wurde durch individuelle Steckbriefanalysen erfasst, um lokale Stärken – vom industriellen Kern bis zur touristischen Nische – präzise in die Gesamtstrategie zu integrieren. Nur wenn sich die lokale Identität im SREK widerspiegelt, entsteht die notwendige politische Akzeptanz für großräumige Entscheidungen. Die Einbindung der HTP GmbH (High-Tech-Park), der Wirtschaftsregion Helmstedt und der Wirtschaftsregion Mittellandkanal ist von existenzieller Bedeutung. 

Diese Partner transformieren den Landkreis von einem passiven Standort für Logistik hin zu einem aktiven Akteur im Halbleiter-Ökosystem. Hierbei geht es nicht nur um Flächenbereitstellung, sondern um die Integration von Forschung, Entwicklung und hochspezialisierter Fachkräftesicherung. Die Komplexität moderner Regionalentwicklung lässt sich nicht im Alleingang bewältigen. Daher basiert das Projekt auf einer engen Verzahnung von Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Diesbezüglich gelang es dem Landkreis Börde nun darüber hinaus ein Netzwerk aus Verwaltung, Forschungs- und Hochschullandschaft zu gründen. 

Diesem gehören an: Thorsis Technologies GmbH (Kommunikationstechnologie, Verkehrstelematik), Ambulanz Mobile GmbH Schönebeck (Fahrzeugbau, Rettungsfahrzeuge, Krankentransportwagen), VAVIA GmbH (Fahrassistenzsysteme mit Schwerpunkt Sicherheit), ifak e.v. (Forschungsinstitut mit Schwerpunkt Verkehrstechnologien), Galileo-Testfeld (Verkehrstechnologien, Drohnentechnik), Hochschule Anhalt-Köthen (Mobilität, Logistik).

Das zu erstellende Strategische Regionalentwicklungskonzept (SREK) soll sich entlang drei strategischer Handlungsfelder gliedern, die den Kern der regionalen Zukunftsfähigkeit bilden:

A. Daseinsvorsorge (Lebensqualität im ländlichen Raum)

Ziel ist es, die Grundversorgung auch in peripheren Lagen zu sichern. Hierzu gehören:

  • Gesundheit: Aufbau des „Gesundheitsnetzwerks Landkreis Börde“ und Erprobung mobiler medizinischer Angebote, auch durch den Einsatz von Drohnentechnologie

  • Bildung: Vernetzung von Schulen und lokaler Wirtschaft zur Fachkräftesicherung.

  • Nahversorgung: Erhalt der Lebensmittelmärkte und sozialen Treffpunkte in kleinen Gemeinden.

B. Infrastruktur (Vernetzung und digitale Transformation)

Moderne Infrastruktur ist die Basis für Wachstum. Das SREK fokussiert auf:

  • Mobilität: Ein regionales Mobilitätskonzept, das On-Demand-Verkehre und Radwege (Wander- und Reitwege) integriert und Chancen für Autonomes Fahren eröffnet

  • Digitalisierung: Breitbandstrategie und Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität

  • Energie: Regionale Energiekooperationen zur Nutzung erneuerbarer Ressourcen vor Ort

C. Siedlungsraum (Nachhaltige Gestaltung)

Angesichts des Siedlungsdrucks im Speckgürtel von Magdeburg und der Herausforderungen im ländlichen Raum stehen im Fokus:

  • Innenentwicklung: Revitalisierung von Ortskernen und Leerstandsmanagement, um Flächenverbrauch zu reduzieren.

  • Gewerbe: Eine interkommunale Gewerbeflächenstrategie, um Investoren attraktive Standorte ohne Kirchturmdenken anzubieten.

Das SREK mündet in einen konkreten Maßnahmenkatalog. Aus einem breiten Pool von ca. 30 potenziellen Projekten sollen mittels einer Priorisierungsmatrix 15 Maßnahmen ausgewählt, die eine besonders hohe Hebelwirkung für die Region versprechen. Diese 15 prioritären Maßnahmen sind detailliert mit Kostenrahmen, Zeitplänen und potenziellen Förderprogrammen zu untersetzen. Die Auswahl soll über eine Matrix erfolgen, die den Impact (Wirkungsgrad), die Umsetzbarkeit (Kosten/Zeit) und den Grad der regionalen Kooperation bewertet.

Ein zentraler strategischer Fokus liegt auf der „Demografischen Schere“ im Kontext des Peripherie-Gefälles. Während der Speckgürtel um Magdeburg durch den Zuzug von Fachkräften für den High-Tech-Park (HTP) eine Renaissance erlebt, drohen die Randbereiche in eine Abwärtsspirale aus Überalterung und Leerstand zu geraten. Dies ist kein rein soziales Problem, sondern auch ein fiskalisches. Sinkende Nutzerzahlen bei gleichbleibenden Fixkosten für Leitungsnetze und soziale Einrichtungen führen zu einer hohen Belastung kommunaler Haushalte.

Die Sicherung der Daseinsvorsorge in der Fläche ist die Grundvoraussetzung für soziale Stabilität und die Bindung von Fachkräften. In einer Region, die sich zum High-Tech-Standort wandelt, muss die Grundversorgung auf demselben technologischen Niveau agieren wie die Industrie. Das Ziel ist eine „ortsunabhängige Lebensqualität“. Im Landkreis muss es gelingen, auf den Ärztemangel zu reagieren, zum Beispiel durch die Schaffung mobiler Praxen und der Etablierung telemedizinischer Angebote. Telemedizinische Angebote sollen demnach zum Standard erhoben werden, um die erste Diagnoseebene flächendeckend und zeitnah abzudecken. 

Wo physische Präsenz unerlässlich ist, treten mobile medizinische Versorgungseinheiten auf den Plan. Ein visionärer Meilenstein ist der Einsatz von Flugrobotik (Drohnentechnologie). Diese könnte 2040 zur täglichen Routine werden für die Zustellung von Notfallmedikamenten und den Transport von Laborproben zwischen ländlichen Außenstellen und zentralen Kliniken. Dies entkoppelt die medizinische Notfallversorgung von der Qualität des Straßennetzes und rettet in der Peripherie lebenswichtige Minuten. Physische „Gesundheits-Hubs“ in den Grundzentren dienen dabei nicht nur der Behandlung, sondern als soziale Ankerpunkte gegen die Vereinsamung einer alternden Bevölkerung.

Um die „Abwanderung der Talente“ zu stoppen, etablieren wir eine strategische Allianz zwischen Bildungsträgern und der Industrie. Durch Technik-Patenschaften findet Berufsorientierung nicht mehr im Berufsberatungszentrum statt, sondern direkt in den Laboren der Halbleiter-Zulieferer. Dies erzeugt eine frühzeitige psychologische und fachliche Bindung der Jugend an die Region und sichert den Unternehmen den Zugriff auf ein lokal verwurzeltes Fachkräftepotenzial.

Wie gestaltet sich das zukünftige Leben auf dem Land? Es ist anzunehmen, dass der klassische Dorfladen durch „digitale Dorfläden“ ersetzt wird, die als hybride Orte fungieren: Nahversorgung, Co-Working-Space und soziale Begegnungsstätte unter einem Dach. Ergänzt wird dies durch mobile Verwaltungsangebote. Der Bürger kommt nicht mehr zum Amt; das Amt kommt in Form von vollausgestatteten Service-Fahrzeugen oder über digitale Schnittstellen zum Bürger. Dies reduziert die Notwendigkeit langer Wege und schont die Ressourcen der Verwaltung.

Eine weitere bedeutende Frage ist, wie sich der ÖPNV im Landkreis Börde in den 2040er Jahren gestaltet. Es ist mit der Implementierung von autonomen Shuttle-Bussen zu rechnen, die On-Demand-Anfragen bedienen und die „letzte Meile“ zwischen den Bahnhöfen und Wohnorten schließen. Einen weiteren entscheidenden Einfluss haben Intelligente Verkehrssysteme. Diese werden aufgrund ihrer V2X-Technologien (Vehicle-to-Everything) und autonomen Flugsystemen (Drohnen) einen grundlegenden Strukturwandel in der Mobilität und Daseinsvorsorge im Landkreis Börde bewirken. Als zweitgrößter Flächenlandkreis Sachsen-Anhalts kann die Region besonders von der digitalen Überbrückung weiter Distanzen profitieren. Hierzu will der Landkreis Börde notwendige Fördermittel einbinden. 

Der Dezernent für Infrastruktur und Umwelt im Landkreis Börde, Dr. Denis Gruber, hebt hervor: „Die V2X-Technologie ermöglicht eine nahtlose Kommunikation zwischen Fahrzeugen, der Infrastruktur und Verkehrsteilnehmern. Schon jetzt wird an der präventiven Verkehrssteuerung geforscht. Fahrzeuge im Landkreis werden in den 2040er Jahren in Echtzeit mit Ampeln und Sensoren kommunizieren, was Staus minimiert und die Sicherheit auf Straßen erhöht. Auch der ÖPNV wird bedarfsgerecht ausgerichtet. In abgelegenen Gemeinden könnten Busse oder autonome Shuttles durch V2X-Rückmeldungen (z. B. digitale Bedarfshalte) punktgenau gesteuert werden. Weiterhin wird das Infrastruktur-Monitoring verbessert, denn vernetzte Fahrzeuge melden Straßenschäden oder winterliche Glätte automatisch an die Straßenmeistereien.“

Drohnen werden Versorgungslücken in dünn besiedelten Gebieten des Landkreises schließen. Vor allem die medizinische Versorgung ist ein wesentliches Handlungsfeld. Zeitkritische Produkte wie Medikamente, Blutkonserven oder Defibrillatoren werden innerhalb von Minuten direkt zu Patienten oder Pflegeheimen geflogen. Projekte wie die PalliDrohne in Sachsen-Anhalt zeigen bereits heute die Machbarkeit dieser „fliegenden Apotheken“. Auch Güter des täglichen Bedarfs werden zukünftig verstärkt über Drohnen befördert. Nahversorgungskonzepte ermöglichen die Lieferung von Lebensmitteln aus regionalen Zentren in entlegene Ortsteile, was die Abhängigkeit vom eigenen Pkw verringert, zumal die hier lebende Bevölkerung immer älter wird und die eigene Mobilität im steigenden Lebensalter eingeschränkt wird. 

Dezernent Gruber ergänzt: „Diese Technologien sind ein wesentlicher zukünftiger Faktor, um die Lebensqualität im ländlichen Raum zu sichern, indem sie die physische Distanz durch digitale und automatisierte Logistik neutralisieren und eine standortunabhängige Versorgungsqualität gewährleisten.“

Auf folgende Handlungsfelder soll sich das zu erstellende Strategische Regionale Entwicklungskonzept (SREK) des Landkreises Börde beziehen:

Mögliche Beispiele für Maßnahmen:

  • Handlungsfeld Daseinsvorsorge

    • mobile medizinische Versorgung im ländlichen Raum

      • regionale Bildungskooperation Schulen–Wirtschaft

        • digitale Gesundheitsangebote

        • regionale Kinderbetreuungsstrategie

        • mobile Verwaltungsangebote

  • Handlungsfeld Infrastruktur

    • Regionales Mobilitätskonzept

      • innovative ÖPNV-Modelle (On-Demand-Verkehr)

        • Ladeinfrastruktur Elektromobilität

        • regionale Energiekooperation

        • intelligente Verkehrssysteme

        • Ausbau nachhaltiger Logistik

  • Handlungsfeld Siedlungsraum

    • Innenentwicklungsprogramm Ortskerne

      • Leerstandsmanagement

        • nachhaltige Wohnraumentwicklung

        • Revitalisierung brachliegender Flächen

        • Modellprojekte „Smart Village“

Last update: 20.04.2026 12:10 Uhr